KW 19: Diametrale Tendenzen

Pressespiegel vom 30.04. - 07.05.

 

Erster sudanesischer Botschafter in den USA seit mehr als 20 Jahren ernannt
Der Sudan hat am Montag seinen ersten Botschafter in den Vereinigten Staaten von Amerika nach 23 Jahren ernannt. Das Außenministerium der sudanesischen Übergangsregierung teilte mit, es habe Nureldin Satti als Botschafter in Washington DC ausgewählt. Satti gilt als erfahrener Diplomat, der sein Land bereits als Botschafter in Frankreich repräsentierte und für die UN-Friedensmissionen in der D.R. Kongo und Ruanda tätig war. Die USA haben der Ernennung Sattis bereits zugestimmt. Wann die USA ihrerseits wie vereinbart einen Botschafter nach Khartoum entsenden werden, bleibt derzeit noch offen. Im Rahmen der Normalisierung der Beziehungen zwischen der amerikanischen Weltmacht und dem nordostafrikanischen Staat liegt ein weiterer Fokus der sudanesischen Übergangsregierung auf der Streichung des Landes von der sogenannten Blacklist. Seit 1993 führt die US-Regierung den Sudan auf dieser Liste der Terrorismus fördernden Staaten, was zur Folge hat, dass das Land keinen Zugang zu Weltbank- oder IWF-Krediten erhält. Gespräche über eine Streichung von der Liste sollen im Gang sein. So erklärte sich Khartoum im Februar bereit, die Familien von US-Seeleuten zu entschädigen, die bei einem Al-Qaida-Angriff auf den Zerstörer der US-Marine USS Cole im Hafen von Aden im Jahr 2000 getötet wurden. Die USA hatten den Sudan jahrelang beschuldigt, die Angreifer ausgebildet und unterstützt zu haben. Neben dem außenpolitischen Erfolg feierte der Sudan diese Woche auch eine weitere innenpolitische Reform: Die weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) ist seit dem 1. Mai unter Strafe gestellt und wird mit einer dreijährigen Gefängnisstrafe geahndet.

 

Verschlechterung der Pressefreiheit in Tansania 
Der am Samstag veröffentlichte World Press Freedom Index der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) prangert die dramatische Lage der Pressefreiheit in Tansania an. Das ostafrikanische Land rangiert nur noch auf Platz 124 und ist damit in den fünf Jahren unter Präsident John Magufuli um ganze 53 Plätze gefallen. Der Ausbruch der Covid-19 Pandemie trägt nun zu einer weiteren Verschlechterung der Situation bei. Diverse Medienhäuser und Journalisten, die kritisch über die Lage im Land berichteten, sehen sich mit Strafen konfrontiert. RSF befürchtet daher einen Rückgang der Berichterstattung über die Pandemie. So wurde etwa die beliebte Online-Plattform Mwananchi im April für sechs Monate gesperrt und mit einer Geldstrafe von über 2.000 USD belegt, nachdem die Webseite ein Foto veröffentlicht hatte, auf dem Präsident Magufuli unter völliger Missachtung der Empfehlungen zur sozialen Distanzierung von mehreren Personen beim Einkaufen umgeben war. Dem tansanischen Journalisten Talib Ussi Hamad wurde derweil seine Lizenz entzogen, nachdem er über den Krankheitsverlauf eines Covid-19-Patienten berichtet hatte - mutmaßlich ohne dessen Zustimmung. In einem anderen Fall musste der kenianische Fernsehsender Citizen TV sieben Tage lang eine offizielle Entschuldigung für einen Beitrag ausstrahlen, in dem sie Magufulis kontroversen Ansatz im Kampf gegen Covid-19 kritisierten. Tansania ist eines der wenigen Länder in Afrika, das keine strikten Maßnahmen gegen die Eindämmung der Covid-19 Pandemie getroffen hat und nur unregelmäßig Statistiken veröffentlicht. Gleichzeitig verzeichnet es mit offiziell 480 Infektionen zum Ende letzter Woche die höchste Rate an Covid-19 Fällen im ostafrikanischen Vergleich. Magufuli selbst hält diese Zahlen für unglaubwürdig: bei einer öffentlichen Rede beschuldigte er das nationale Labor, falsche Testergebnisse herauszugeben. Dies hätten heimlich eingeschleuste Proben einer Papaya-Frucht sowie von Ziegen und Schafen ergeben, die positiv getestet worden seien. 

 

Und sonst?
Südafrika gab am Montag die Planung einer Nachfolge-Airline für die insolvente South African Airways (SAA) bekannt. Diese solle kleiner, nachhaltiger und profitabler sein und aus einem Mix aus privaten und staatlichen Anteilseignern bestehen. Die nationale Fluggesellschaft SAA hatte 86 Jahre lang Bestand, bis sie Ende April Insolvenz beantragen musste. Für die Mitarbeiter hat der südafrikanische Staat Abfindungspakete in Höhe von 105 Millionen Euro sowie eine bevorzugte Behandlung bei Neueinstellungen in der Nachfolge-Airline zugesichert. Einen Zeitplan für die Schaffung der neuen Fluggesellschaft nannte das zuständige Ministerium jedoch nicht. 

 

Veranstaltungshinweise

Virtuelle Lesung von Ruth Weiss zum 8. Mai 2020 
Ruth Weiss wird anlässlich des 75. Jahrestags des 2. Weltkriegsendes und der Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Herrschaft eine Lesung halten, die erstmals virtuell stattfinden wird. Dabei wird sie nicht nur die deutsche, europäische und jüdische, sondern auch die afrikanische Perspektive zu diesem epochalen Ereignis deutlich machen. Die Lesung ist bei ab Donnerstag, 7. Mai hier und hier anzusehen/anzuhören.

 

Afrikatag des Internationalen Dokumentarfilmfestivals München findet online statt
Das 35. Internationale Dokumentarfilmfestival München findet aufgrund von Covid-19 digital statt. Auch der nunmehr 7. Afrikatag des Festivals wird somit virtuell gestaltet. Es werden drei Filme aus und über Afrika im Online-Programm des Festivals gezeigt. Auch die Podiumsdiskussion wird als digitales Format mit dem Thema Stronger together – translating panafricanism into documentary filmmaking geführt. Mehr Infos zum Afrikatag finden Sie hier oder in der Facebook-Veranstaltung.

 

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