19.11.
2015

Dankesrede des Deutschen Afrika-Preisträgers Houcine Abassi

Rede Houcine Abbasi, Generalsekretär der UGTT

anlässlich der Verleihung des Deutschen Afrika-Preises

Berlin, 19.11.2015

 

Sehr verehrter Herr Bundespräsident Gauck,

Exzellenzen,

sehr geehrter Herr Dr. Kloppenburg,

sehr geehrter Herr Dr. Faigle,

sehr geehrter Herr Strässer,

meine Damen und Herren,

 

Es ist mir und meiner Begleitdelegation eine Freude und Ehre, dieser glanzvollen Feier beizuwohnen, zu der die deutsche Bundesregierung die Initiative ergriffen hat, um das Nationale Dialogquartett für seinen Beitrag zu einer erfolgreichen Gestaltung des demokratischen Neuanfangs in meinem Land Tunesien zu ehren. Tunesien ist das Tor zum Orient und zum Okzident, und die phönizische Zivilisation entwickelte sich hier ebenso wie später die römische und die islamische. Wir blicken zudem mit Stolz auf herausragende Denker wie Ibn Khaldun, den heiligen Augustin oder den französischen Staatsbürger Charles Nicolle, der 1928 für seine bahnbrechenden Forschungen in der Epidemologie am Pasteur-Institut in Tunis den Nobelpreis für Medizin erhielt und der in Tunis lebte, arbeitete und begraben liegt. Tunesien war darüber hinaus eines der ersten afrikanischen Länder, das die Sklaverei abschaffte und sich bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine zivile Verfassung gab.

 

Herr Präsident, meine Damen und Herren,

dass Sie uns heute ehren, ist zugleich eine Ehrung für die anderen Partizipanten des tunesischen Quartetts für den Nationalen Dialog sowie für alle politischen Gruppen, die sich für den konsensuellen Weg entschieden haben und die das nationale Interesse über parteipolitische Erwägungen gestellt haben. Es ist zugleich eine Ehrung des Kampfes der tunesischen Frauen, der Akademiker, der Kreativen, der Intellektuellen, Künstler, Gewerkschafter und der Aktivisten der Zivilgesellschaft unseres Landes, sowie auch für unsere Soldaten und Sicherheitskräfte, die mit Mut, Wachsamkeit, Opferbereitschaft und mit positivem Beispiel Tunesiens einzigartigen Weg mitgestaltet haben. Sie alle waren der Garant dafür, dass Bestrebungen erfolglos blieben, die modernen Errungenschaften unserer Gesellschaft, den zivilen Charakter des Staates und die Ziele der tunesischen Revolution über Bord zu werfen.

Und schließlich ist es eine Ehrung aller Tunesierinnen und Tunesier sowie des Geistes ihrer inspirierenden Revolution, der es vergönnt war, eine neue Legitimität zu begründen, die nicht mehr auf der Macht durch Waffen oder auf Machtvererbung beruht. Unsere neue Legitimität beruht auf der Parole Ash-Shaab yurîd - „Das Volk will …“. Das Volk will ein Recht auf Arbeit, ein Recht auf Würde, das Recht auf Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit. Tatsächlich verkörperte der Nationale Dialog diese Parolen aufs Beste, und sie wurden im reinsten Sinne erkennbar durch den Willen zum Konsens als Mittel zur Beilegung von Konflikten. Letztlich entstand daraus eine neue, zivile Verfassung, die individuelle und kollektive Rechte ebenso klar festschreibt wie wirtschaftliche und soziale. Das Ergebnis waren Präsidentschafts- und Parlamentswahlen, deren transparenten und demokratischen Charakter die Welt bezeugte.

In diesem Sinne ergeht mein Dank an die Bundesregierung und die deutsche Bevölkerung, die deutsche Zivilgesellschaft und Bürgerrechtsbewegung für diese noble Geste. (...)

 

Die vollständige Rede finden Sie hier.

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Datum: 19.11.2015
Uhrzeit: 19:40
Ort: Historischer Kassensaal der KfW


19.11.
2015

Verleihung des Deutschen Afrika-Preises 2015

Am 19. November 2015 wurde in Berlin Gewerkschaftsführer Houcine Abassi „für seine herausragende Rolle bei der Lösung der politischen Krise nach der tunesischen Revolution mit dem Deutschen Afrika-Preis 2015 geehrt. Überreicht wurde der Preis im Historischen Kassensaal der KfW Bankengruppe von Bundespräsident Joachim Gauck. Es brauche so viel mehr Menschen wie Houcine Abassi, betonte der Bundespräsident in seiner Laudatio, Männer und Frauen, die auf Dialog und Kompromisse setzen – nicht auf Diktatur und Waffen.

 

Überreicht wurde der Preis im Historischen Kassensaal der KfW Bankengruppe von Bundespräsident Joachim Gauck. Es brauche so viel mehr Menschen wie Houcine Abassi, betonte der Bundespräsident in seiner Laudatio, „Männer und Frauen, die auf Dialog und Kompromisse setzen – nicht auf Diktatur und Waffen“.

 

Houcine Abassi gilt als „Vater des nationalen Dialogs“. Durch seinen unermüdlichen Einsatz bei der Lösung der politischen Krise nach der Revolution 2010/2011, ist er zum Friedensstifter geworden. Beeindruckt habe die diesjährige Jury des Deutschen Afrika-Preises Abassis außergewöhnliche Fähigkeit durch die hohe Kunst des Zuhörens, ohne Ambitionen auf ein politisches Amt, einen Dialog einzuleiten, der zu akzeptablen und nachhaltigen Kompromissen führte, so Jurypräsident Dr. Volker Faigle.

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Datum: 19.11.2015
Uhrzeit: 18:30
Ort: Historischer Kassensaal der KfW


09.10.
2015

Friedensnobelpreis 2015 geht an Tunesien

Die Überraschung ist perfekt. Der Friedensnobelpreis 2015 geht in diesem Jahr an vier tunesische Organisationen, darunter die UGTT (Union Générale Tunisienne du Travail) deren Generalsekretär,  ebenfalls designierter Preisträger des Deutschen Afrika-Preises 2015 ist. Diese Auszeichnung wird am Donnerstag, 19. November 2015 von Bundespräsident Joachim Gauck an Houcine Abassi in einer feierlichen Zeremonie in Berlin überreicht.

 

Das Nobelpreis-Komitee teilte heute Vormittag in Oslo mit, es verleihe den Preis dem tunesischen Quartett, bestehend aus dem Gewerkschaftsbund (UGTT), dem Arbeitgeberverband (UTICA), der Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer des Landes für deren Bemühungen beim „Aufbau einer pluralistischen Demokratie“. Der Preis sei somit auch als „Ermutigung für das ganze Land und die Region“ zu verstehen. Gemeinsam setzen sich die Mitglieder der vier Organisationen für die Demokratiebewegung in Tunesien ein, das Land, das als Wiege des so genannten Arabischen Frühlings gilt.

 

Gründer dieses Mediationsquartetts ist UGTT-Vorsitzender Houcine Abassi, der damit doppelter Preisträger in diesem Jahr wird. Erst im Mai wählte ihn eine unabhängige Experten-Jury der Deutschen Afrika Stiftung zum Preisträger des Deutschen Afrika-Preises 2015. Die Jury würdigte insbesondere sein Engagement als Gründer der nun ausgezeichneten Gruppe, die durch ihr herausragendes Engagement die neue tunesische Verfassung mit auf den Weg brachte und einen Bürgerkrieg im Land verhinderte, indem sie einen „alternativen, friedlichen politischen Prozess etablierte“, so das Nobelpreis-Komitee.

 

Houcine Abassi gilt als „Vater des nationalen Dialogs“. Durch seinen unermüdlichen Einsatz bei der Lösung der politischen Krise nach der Revolution 2010/2011, ist er zum Friedensstifter geworden. Als im Juni 2015 die junge tunesische Demokratie von zwei blutigen Terroranschlägen erschüttert wurde, verurteilte Abassi in einer öffentlichen Erklärung die Gewalt und sprach den Opfern und Angehörigen seine Anteilnahme aus.

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Datum: 09.10.2015


15.7.
2015

Deutscher Afrika-Preis für tunesischen Gewerkschaftsführer und Friedensstifter


Bundespräsident Joachim Gauck überreicht am 19. November 2015 den Deutschen Afrika-Preis an Houcine Abassi. Der designierte Preisträger ruft zur Zusammenarbeit der Bevölkerung im Kampf gegen den Terrorismus auf.

 

Berlin, 15. Juli, 2015 - Tunesiens führender Gewerkschafter Houcine Abassi erhält am 19. November 2015 in Berlin den diesjährigen Deutschen Afrika-Preis. Er wird für seine herausragende Rolle bei der Lösung der politischen Krise nach der Revolution 2010/2011 und als Gründer eines Mediationsquartetts, welchem eine tragende Rolle bei der Ausarbeitung der neuen tunesischen Verfassung zukommt, gewürdigt.

 

Angesichts des erneuten Terroranschlags im tunesischen Sousse Ende Juni traf sich Houcine Abassi jeweils zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Präsident Beji Caid Essebsi und Ministerpräsident Habib Essid.

 

In einem öffentlichen Statement verurteilte der Generalsekretär der UGTT (Union Génerérale Tunisienne du Travail), der mit 800.000 Mitgliedern größten Nichtregierungsorganisation, die Anschläge und sprach den Opfern und deren Angehörigen seine Anteilnahme aus.

 

Er rief die UGTT Mitglieder und alle Arbeitnehmer dazu auf, sich gegen den Terror zu wehren und die Sicherheitskräfte sowie die Armee dabei zu unterstützen, Terroristen ausfindig zu machen. Er erinnerte an den Mut und die Ausdauer der Bevölkerung von Sidi Bouzid nach den letzten Terroranschlägen und warnte vor terroristischen Gruppierungen, die sich hinter einigen Parteien verstecken und nicht im Sinne der Demokratie handeln würden.

 

Laut Abassi sei es dringend an der Zeit eine klare außenpolitische Linie zu finden und mit Hilfe von internationaler und regionaler Unterstützung die tunesische Souveränität – auch mit dem Ziel der Terrorbekämpfung – zu wahren. Es müsse eine diplomatische sowie ökonomische Strategie entwickelt werden, um sowohl den Tourismus, aber auch andere Wirtschaftssektoren zu stabilisieren. Tunesien dürfe nicht zur Geisel des Terrors werden.

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Datum: 15.7.2015


18.5.
2015

Houcine Abassi akzeptiert Deutschen Afrika-Preis 2015

Der deutsche Botschafter Dr. Andreas Reinicke traf Mitte Mai den Generalsekretär der traditionsreichen Gewerkschaftsbewegung UGTT (Uni­on Générale Tunisienne du Travail), Houcine Abassi in Tunis.

Anlass des Treffens war die Bekanntmachung der Auszeichnung Houcine Abassis mit dem diesjährigen Deutschen Afrika-Preis. Auf Einladung der Deutschen Afrika Stiftung kam eine unabhängige Experten-Jury, die unter zahlreichen vielversprechenden Kandidaten und Kandidatinnen aus Afrika auswählte, zu dem Schluss, Abassis Rolle bei der Lösung der politischen Krise nach der Revolution 2010/2011 sei besonders herausragend gewesen. Auch sein Engagement als Gründer eines Mediationsquartetts, an dessen Ende eine neue tunesische Verfassung stand, wurde als auszeichnungswürdig angesehen. Gerade die Tatsache, dass sich Tunesien als einziges Land nach der Revolution im arabischen Raum nun auf einem demokratischen und rechtsstaatlichen Wege befinde, sei auch der Arbeit Abassis zuzuschreiben.

„Houcine Abassi hat eine außergewöhnliche Fähigkeit zuzuhören. Er kann über drei oder vier Stunden nichts sagen, auch wenn alle anderen schreien. Dann hat er noch eine große Begabung zusammenzufassen, akzeptable Kompromisse zu finden und zu entscheiden. […] Der Dialog hat das Land gerettet“, so Nadia Chaabane, Abgeordnete in Tunesien. Welche Bedeutung Tunesien im Maghreb derzeit zukommt, verdeutlichte auch Bundespräsident Gauck während seines Tunesienbesuchs Ende April.

Die Auszeichnung wird im Herbst von der Deutschen Afrika Stiftung e.V. feierlich vergeben.

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Datum: 18.5.2015


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