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Video: Die Manuskripte Timbuktus

Zeugnisse afrikanischer Schriftkultur

 

 

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6.10.
2014

Verleihung des Deutschen Afrika-Preises 2014

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier vergab am 06. Oktober im Weltsaal des Auswärtigen Amts den Deutschen Afrika-Preis 2014 an Dr. Abdel Kader Haidara. Der Leiter der privaten Mamma Haidara Memorial Library ist einer der bedeutendsten Archivare Malis und erhielt die Auszeichnung für seinen Einsatz um die Erschließung und Bewahrung der antiken Handschriften Timbuktus.

 

Mit Hilfe der Unterstützung von Kollegen und Einwohnern Timbuktus, konnte Haidara einen unvorstellbaren Schaden vom UNESCO-Weltkulturerbe abwenden, indem er zu Beginn 2012 einen Monat lang die historischen Manuskripte Timbuktus während der Nacht katalogisierte, in über 1000 Metallkisten verpackte und vor den islamistischen Rebellen, die um die Unabhängigkeit des Nordens Malis kämpften, versteckte.

 

Vor knapp 300 geladenen Gästen stellte Hartwig Fischer, Präsident der Deutschen Afrika Stiftung, in seiner Ansprache anlässlich der Verleihung die Existenz dieser zahlreichen Zeugnisse afrikanischer Geschichte als ein bedeutendes Argument für die Widerlegung des weitverbreiteten Vorurteils von Afrika als einem „geschichtslosen Kontinent" heraus: „Die Wahrnehmung des afrikanischen Kontinentes und seiner Menschen ist bei uns in Europa noch immer oft geprägt von diskriminierenden Vorurteilen und Fehleinschätzungen. Herrn Dr. Haidara ist es zu verdanken, dass wir durch die Manuskripte von Timbuktu eines besseren belehrt werden. Sie zeigen uns, dass Afrika natürlich seine eigene Geschichte geschrieben hat, völlig eigenständig und dennoch integriert in die wissenschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Netzwerke seiner Zeit. Sie helfen uns, Europa nicht immer als den Maßstab aller Dinge zu sehen."


Auch der Präsident der Jury, Dr. Volker Faigle, unterstützte diese Aussage: „All denen, die immer wieder behaupten, Afrika sei geschichtslos und habe allenfalls eine orale Geschichte, halten die Schriften von Timbuktu einen Spiegel vor."

 

Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier zollte der herausragenden Leistung des Preisträgers und seiner Helfer zur Rettung der historischen Kulturschätze seinen Respekt: "Herr Haidara, Ihre Rettungsaktion erforderte großen Durchhaltewillen. Es war nicht absehbar, wie lange die Herrschaft der Terroristen dauern würde. Was wäre passiert, wenn doch jemand Sie verraten hätte? Wie lange hätte man das Verstecken aufrechterhalten können? Heute freuen wir uns, dass 95% der Handschriften gerettet werden konnten. Aber es hätte auch ganz anders ausgehen können."

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Datum: 6.10.2014
Uhrzeit: 18:30 Uhr
Ort: Weltsaal im Auswärtigen Amt, Berlin


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Portrait Dr. Abdel Kader Haidara

Der Welt stockte der Atem als die Rebellen von Ansar Dine zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Gebäude Timbuktus im Frühjahr 2012 sprengten. Zunächst waren die Mausoleen der Stadtheiligen im Visier, jederzeit konnten die Angriffe aber übergehen auf die zahlreichen Bibliotheken, in denen wertvolle Manuskripte lagerten. Diese sind einmalige Zeugnisse einer tiefgehenden Geschichte und Kultur des gesamten afrikanischen Kontinents, die weit über den Beginn der Kolonialisierung hinausgehen. Und tatsächlich steckten die Islamisten das staatliche Ahmed-Baba-Institut, das die größte Sammlung beherbergte, bei ihrem Rückzug im Januar 2013 in Brand.

Nach den ersten Schockmeldungen über den großen Verlust des Kulturerbes kam dann jedoch die große Erleichterung: Viele der Schriften waren gerettet, da sie sich zum Zeitpunkt der Angriffe gar nicht mehr in den Instituten und Privatsammlungen befanden.

Dies ist dem Mut vieler Menschen in Timbuktu zu verdanken – angeführt von Abdel Kader Haïdara. Der Archivar, der von 1984 bis 1993 für das Ahmed-Baba-Institut gearbeitet hat und nun die Mamma-Haïdara-Bibliothek leitet, organisierte die Rettungsaktion. Zunächst wurden hunderte Blechkisten auf Märkten gekauft, in die dann nach und nach die Schriften verpackt wurden. Trotz der gebotenen Eile, wurden sie noch mit einem Code versehen, um sie später den richtigen Besitzern zuordnen zu können. Einzeln wurden die Kisten des Nachts aus den Bibliotheken gebracht und versteckt, teils bei Privatpersonen, teils in der Wüste im Sand. In mehr als 2.500 Kisten konnten über 160.000 Manuskripte gerettet werden.

Die Schriften, die teilweise bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, wurden auf diese Weise jedoch nicht zum ersten Mal gerettet. Nach Plünderungen und Verschleppungen im 16. Jahrhundert, denen nicht nur unzählige Schriften sondern auch Gelehrte zum Opfer fielen, schützten die Bewohner Timbuktus ihren Schatz im Laufe der Jahrhunderte immer wieder vor neuen Herrschern. So blieben viele der einzigartigen Zeugnisse des einstigen geistigen Zentrums erhalten. Sie vereinen das Wissen der arabischen Welt des Hochmittelalters in den Bereichen der Naturwissenschaften, Philosophie und Theologie und sind stark mit der Islamisierung Westafrikas verbunden. Umso schwieriger ist es aus europäischer Sicht zu verstehen, wieso die Ansar Dine-Rebellen ausgerechnet die Zeugnisse ihrer eigenen Kultur zu zerstören versuchten, nur um die Wertschätzung der Internationalen Gemeinschaft für das Kulturgut als Druckmittel für ihre Idee des islamistischen Staates zu nutzen und Aufmerksamkeit zu erlangen. Die Schriften belegen eine reiche literarische Tradition und widersprechen dem hartnäckigen Vorurteil des „geschichtslosen Kontinents“. Vor allem in der frühen Neuzeit wurde das Schrifttum zu einem Kriterium für Zivilisation gemacht und das vermeintliche Fehlen davon als Argument für die Überlegenheit der europäischen Herrscher über die afrikanische Bevölkerung genutzt.

Die jahrhundertelange Angst um ihre Schriften und das Wissen um ihre Bedeutung hat das  Verstecken in der Bevölkerung Timbuktus zur Tradition werden lassen. Es brauchte daher viel Wissen, soziales Geschick und vor allem Geduld, um die Bewohner Timbuktus zu überzeugen, Schriften adäquat zu konservieren und beispielsweise nicht einzumauern oder unter Matratzen zu verstecken. Abdel Kader Haïdara ist ein Mensch, der diese Charaktereigenschaften vereint. Er folgte dem Beispiel seiner Vorfahren und wurde Islamgelehrter. Sein Vater Mohammed Haïdara, genannt Mamma, brachte von zahlreichen Reisen Schriften aus ganz Afrika zusammen. Bis zu seinem Tod arbeitete er für das Ahmed-Baba-Institut. In dem Alter von nur 17 Jahren verschieb sich auch Abdel Kader den Schriften. Nach seiner Ausbildung begann er an die Türen Timbuktus zu klopfen und Überzeugungsarbeit zu leisten. Mit viel Geduld konnten so immer mehr Schriften restauriert, archiviert und auch digitalisiert werden. Auch seiner Arbeit ist es zu verdanken, dass immer weitere Privatsammlungen eröffneten. Haïdara selbst leitet die größte davon, die Mamma Haïdara Memorial Library. Die Zusammenarbeit der Bibliotheken ist für ihn sehr wichtig, ebenso die Zugänglichkeit für Forschung und Öffentlichkeit.

Viele Schriften, die vor dem Anschlag 2013 gerettet wurden, sind in einer weiteren Geheimaktion durch ein kleines Team nach Bamako gebracht worden, wohin auch Haïdara mit seiner Frau und seinen sechs Kindern gegangen ist. Haïdara ist zudem Präsident von SAVAMA-DCI (Sauvegarde et Valorisation des Manuscrits pour la Défense de la Culture Islamique – dt. Schutz und Aufwertung der Maunskripte zum Schutz der islamischen Kultur), eine Organisation die sich um den Erhalt der Schriften kümmert. SAVAMA-DCI begann sofort nach dem Transport nach Bamako, wo ein deutlich feuchteres Klima herrscht, mit internationaler Unterstützung – auf deutscher Seite von dem Auswärtigen Amt und der Gerda Henkel Stiftung – nach sicherer und klimatisierter Unterbringung der Boxen. Seit März 2013 hat sich das Centre for the Study of Manuscript Cultures (CSMC) der Uni Hamburg der Rettung angeschlossen. Das Projekt unter Leitung von Dr. Dmitry Bondarev wirkt bei der Einrichtung eines Archives in Bamako mit, in dem die Manuskripte vorerst gelagert, behandelt, katalogisiert und weiter erforscht werden können. Zudem war die „Erste Hilfe“ des Projektes erfolgreich, mithilfe von Luftentfeuchtern, säurefreien Umschlägen und Kartons und speziellen Werkzeugen konnte eine einigermaßen angemessene Lagerung ermöglicht werden. Restauratorin des CSMC Eva Brozowsky schulte unterdessen das Personal vor Ort in konservatorischen Vefahren. Diese deutschen Partner organisierten zusammen mit SAVAMA-DCI Mitte Juni 2014 ein internationales Strategietreffen zum Erhalt der Handschriften aus Timbuktu, während dessen deutsche und malische Experten wie Haïdara zusammen mit der Politik nach Maßnahmen zum weiteren Schutz der Manuskripte zu suchen. Im Laufe der zweitägigen Konferenz stockte das Auswärtige Amt seine Hilfe um 500.000 € auf.

Für sein unermüdliches Engagement um die Erschließung und Bewahrung afrikanischer Geschichte, für welche die zum Weltkulturerbe gehörenden Manuskripte Timbuktus Zeugnis ablegen, wird Abdel Kader Haïdara mit dem Deutschen Afrika-Preis 2014 ausgezeichnet.

 

 

 

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Pressemitteilung: Außenminister Steinmeier verkündet Deutschen Afrika-Preisträger 2014

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verkündet am 18. Juni anlässlich des Internationalen Strategietreffens zum Erhalt islamischer Handschriften aus Timbuktu in Berlin den Preisträger des Deutschen Afrika-Preises 2014.

 

Dr. Abdel Kader Haidara, Leiter der privaten Mamma Haidara Memorial Library, ist einer der bedeutendsten Archivare Malis. Mit Hilfe der Unterstützung von Kollegen und Einwohnern Timbuktus, konnte er einen unvorstellbaren Schaden vom UNESCO-Weltkulturerbe abwenden, indem er zu Beginn 2012 einen Monat lang die historischen Manuskripte Timbuktus während der Nacht katalogisierte, in über 1000 Boxen verpackte und vor den islamistischen Rebellen, die um die Unabhängigkeit des Nordens Malis kämpften, versteckte.

 

Die Existenz dieser zahlreichen Zeugnisse der afrikanischen Geschichte ist ein bedeutendes Argument für die Widerlegung des weitverbreiteten Vorurteils von Afrika als einem „geschichtslosen Kontinent". Jedes einzele dokumentiert, dass die Geschichte Afrikas nicht erst mit der Kolonialisierung beginnt.

 

„Genau dies ist ein wichtiger Aspekt der Arbeit der Deutschen Afrika Stiftung", betont Dr. Volker Faigle, Jurypräsident des Deutschen Afrika-Preises. „Der Deutsche Afrika-Preis führt den Deutschen seit mehr als 20 Jahren Erfolgsgeschichten des afrikanischen Kontinents vor. Durch gegenseitiges Verständnis kann das Afrikabild hierzulande verändert werden.

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